Überlegung zu einer Technik

Als lernwillige Amateurin und in Ermangelung eines Lehrers beobachte ich natürlich auch, was die anderen machen, um es selbst auch auszuprobieren. Samstag in Herrenhausen im Berggarten, ein kleiner Wasserlauf:

Alle Welt fotografiert solches heute gern mit verlängerter Belichtungszeit – ich jetzt auch mal. Sieht sehr mystisch aus, aber mein Fazit ist ernüchternd, denn das Ergebnis  ist eine Täuschung in vielerlei Hinsicht.

Auch weil das Wichtigste überhaupt nicht mehr zu sehen ist, nämlich die Oberflächenspiegelungen, die sich charakteristischerweise stetig verändern, sich bewegen, die glitzern und wechseln zwischen hell und dunkel und einem auf einem Foto auch danach noch den Eindruck vermitteln, man könne das Wasser leise hören.

Jetzt weiß ich, wie das geht und werde es nicht wiederholen.

Claudia-Carola
Claudia-Carola

Autor: Claudia-Carola

Meine Oma verwahrte im Schrank eine große Blechdose, bunt bedruckt mit Rittern. Diese hatte sie von ihrer Freundin Lieschen Urbschat bekommen, die es nach der Flucht aus Ostpreußen nach Nürnberg verschlagen hat und die mit der Weihnachtspost immer Lebkuchen schickte. In der Dose hütete Oma ihren Schatz: Fotos ihrer Lieben, von der Kindheit, der Jugend, von Hochzeiten, Taufen und Konfirmationen. Beim Weggehen haben alle eigentlich nur die Kinder und Überlebenswichtiges mitgenommen. Und eben die Fotos, die platzsparend alles transportierten, was für immer zurückbleiben musste: Familien, Eigenheime, die Herkunftsorte…

Meine Tante Ingrid, die Kunst studiert hat und malt, sagt: Zuerst muss man das Sehen lernen. Auch beim Fotografieren: Augen auf und sehen was vor einem liegt. Fotografieren ist für mich auch eher das, was bis zum „Knips“ passiert. Motiv und später das Bild lasse ich in Ruhe. Technik (kann ich sowieso nicht) und Wow! sind mir nicht wichtig. Unebenheiten und Falten kann man aushalten, finde ich, sie ‚gehören dazu‘.

Ich heiße Claudia oder Carola oder so ähnlich und habe die erste Digitalkamera 2014 geschenkt bekommen. Mike hat sie für mich ausgesucht: eine Olympus OM-D E-M5. Angefangen hat es mal mit einer Agfa Pocket. Da war ich neun und habe fotografiert wie ich’s in Omas Fotodose gesehen hatte: Freundinnen, Familie und Landschaft, alles in quadratisch. Später natürlich Urlaubsfotos, mit einer uralten Voigtländer Vitoret D. Als mein Sohn klein und ich an’s Zuhause gebunden war, fotografierte ich mit einer Spiegelreflexkamera vorwiegend ihn und Stillleben.

Mein erstes Langzeit-Projekt mit der Digicam dauerte ein Jahr: „eMails nach Amerika“. Der beste Freund meines Sohnes war für ein Jahr dort und hat mir regelmäßig geschrieben. Mit jeder Antwortmail habe ich ihm ein Foto mitgeschickt, das sein Heimatdorf zeigte, und zwar so gut es ging aus seiner Sicht.

Und wie geht es weiter? Lernen und mich anregen lassen! Ein neues Projekt finden. Mein Ziel ist nicht das perfekte Bild, sondern es sind die Denkanstöße, die das Fotografieren bringt.

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